Schüler*innenzeitung 1×1

Von Moritz Bayerl Unkategorisiert

Kursinhalt

Begrüßung
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Was ist eine Schüler*innenzeitung?
Eine Schüler*innenzeitung ist eine Zeitung, die von Schüler*innen selbst gestaltet und veröffentlicht wird. Sie erscheint regelmäßig und bespricht Inhalte, die für die Schüler*innen und das schulische Umfeld relevant sind. Sie ist auch eine Art Kommunikationsmittel innerhalb der Schule. Außerdem dient sie als ein pädagogisches Projekt, um Medienkompetenz, Kreativität und demokratische Teilhabe zu fördern. Dafür planen, recherchieren, schreiben, gestalten und vertreiben die Schüler*innen die Inhalte. Eine Schüler*innenzeitung kann digital, analog oder hybrid erscheinen. Das Inhaltsspektrum ist üblicherweise breit: Es können schulinterne Themen angesprochen werden (Berichte über Veranstaltungen, Projekte, Wettbewerbe, Veränderungen im Schulalltag, Interviews mit Lehrkräften und Mitschüler*innen), gesellschaftliche Themen (Artikel, Kommentare, Reportagen zu aktuellen Debatten aus Sicht der Schüler*innen), kulturelle Themen (Rezensionen, Buchempfehlungen, Filmkritiken, kreative Texte etc.) oder auch Service- und Freizeitstücke geschrieben werden (Lerntipps, Texte zu Hobbys etc.). Eine Schüler*innenzeitung erfüllt verschiedene Funktionen, wie eben auch pädagogische und soziale. Schüler*innen lernen journalistische Grundfähigkeiten wie Recherche, Schreiben, Redigieren, Layoutgestaltung und einen verantwortungsbewussten Umgang mit Quellen und Informationen. Durch die eigene Themenwahl und Meinungsäußerung kommen sie auch mit verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten und Mitbestimmung in Kontakt. Eine Schüler*innenzeitung stärkt zudem die Schulkultur, fördert den Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen der Schulgemeinschaft und schafft Identifikationsmöglichkeiten. Die Schüler*innen setzen sich auch mit Teamarbeit, Organisation, Zeitmanagement und Verantwortung auseinander, was ihnen auch für ihr weiteres Leben behilflich sein wird.

Was braucht es für eine Schüler*innenzeitung?
Redaktionsteam Für eine erfolgreiche Schüler*innenzeitung braucht es ein Team, welches gut miteinander zusammenarbeitet. Dabei gibt es verschiedene wichtige Rollen: Es braucht eine Redaktionsleitung, die koordiniert, plant und als Ansprechperson dient. Außerdem braucht es Autor*innen, die recherchieren und schreiben. Es braucht Menschen, die fotografieren oder die Bildredaktion darstellen sowie ein Layout- und Designteam, welches die Print- oder Online-Ausgaben gestaltet. Für das Lektorat braucht es Personen, die die Texte Korrektur lesen und die Qualität absichern. Für Online-Zeitungen könnten auch Personen hilfreich sein, die sich mit der Technik auskennen. Und es braucht Leute, die sich mit dem Marketing und Vertrieb auseinandersetzen, um Werbung für den Verkauf der Zeitung zu machen und eventuell Sponsoring an Land zu ziehen. Insgesamt braucht es aber nicht unzählige Menschen für eine gut funktionierende Zeitung: Ein Team kann schon mit wenigen motivierten Personen starten und Rollen können auch kombiniert werden. Konzept Sobald ein Team steht, braucht es ein klares Konzept. Es muss klar sein, wer die Zielgruppe ist und ob sich die Zeitung ein inhaltliches Profil aufbauen will oder nicht. Auch muss klar sein, wie regelmäßig die Zeitung erscheinen soll oder ob es sie nur projektbezogen geben soll. Festgelegt sein muss auch, in welcher Form sie erscheinen soll (gedruckt, digital, als Social-Media-Format, Mischform). Sinnvoll ist es auch, gewisse Redaktionsregeln festzulegen, um eine gute Zusammenarbeit zu gewährleisten. Organisation Typischerweise beginnt die Herstellung einer Ausgabe mit einer Redaktionssitzung, in der Themen gefunden werden. Anschließend werden die Rollen verteilt und es geht in die Recherche, Interviewdurchführung und Datensammlung. Dann werden die Artikel geschrieben und abgegeben, bevor sie redigiert und geprüft werden mithilfe von Feedbackschleifen. Anschließend geht an die Gestaltung und das Layout. Beim Layout ist wichtig, dass die Seitenzahl durch 4 teilbar ist, damit es später keine leeren Seiten gibt. Schließlich wird alles abgestimmt und freigeben, bevor es gedruckt und veröffentlicht wird. Nach der Bewerbung und dem Vertrieb der Ausgabe bietet sich noch eine Reflexion und Auswertung an: „Was lief gut?“, „Was sollte verbessert werden?“ Die Schüler*innenzeitungsredaktion sollte sich regelmäßig mit klaren Zielen (z. B. Themen, Aufgaben, Deadlines) treffen. Dabei sollten realistische Erwartungen gesetzt werden, kleine Erfolgserlebnisse sollten festgehalten werden, Aufgaben verteilt und Pausen zugelassen werden. Auch eine gewisse Hierarchie (Chefredaktion, Ressorts) kann sinnvoll sein, aber auch Probleme wie Alleinentscheidungen hervorrufen. Dabei sollte transparent mit allen darüber gesprochen werden. Wenn es dann zur Themenfindung kommt, sollte geschaut werden, ob das Thema relevant ist. Das ist es, wenn es viele betrifft und/oder Konsequenzen hat und/oder Emotionen oder Debatten auslöst und/oder es sonst niemand erklärt. Es kann sich die Frage gestellt werden: „Was würde fehlen, wenn wir darüber nicht berichten?“ Um die Themen umzusetzen, ist ein Redaktionsplan sinnvoll. Der enthält das Thema, den*die Autor*in, das Format, die Deadline und den Status. Der Plan sollte nicht zu detailliert sein, sondern helfen und nicht lähmen. Für die Recherche der Texte sollten mindestens zwei unabhängige Quellen genutzt werden. Bei Meinungsstücken müssen Fakten sauber getrennt werden von der Meinung. Aus Wikipedia darf nicht zitiert werden, die Seite kann aber als guter Recherchestartpunkt genutzt werden. Auf den Wikipedia-Seiten gibt es am Ende unten immer Quellen: Die kann man prüfen und selbst lesen und von dort aus weiter recherchieren. Beim Redigat der Texte am Ende, also der Überarbeitung, kürzt eine gute Redaktion Überflüssiges, klärt Unklares und lässt den Stil und die Stimme aber weiter erkennbar. Änderungen werden erklärt, der Text soll nicht zerstört werden. Redigieren ist kein Machtspiel, sondern eine Zusammenarbeit. Arbeitsmaterial Natürlich braucht es auch gewisses Arbeitsmaterial. Für Print-Zeitungen bietet sich der Zugang zu Computern oder Laptops an und zu Schreib- und Layoutprogrammen wie z. B. Word, Scribus oder Canva. Für Fotos sind Handys oder Kameras notwendig. Außerdem braucht man Druckmöglichkeiten, entweder schulintern oder extern bei einem Copyshop. Für Online-Zeitungen braucht es eine Form von Content-Management-System, z. B. WordPress, Wix oder einen Schulserver. Auch Bildbearbeitungsprogramme wie aus der Adobe Cloud können hilfreich sein. Entweder braucht man für die Veröffentlichung dann einen Zugang zu einer Schulwebseite oder eine eigene Domain, die unter Umständen kostenpflichtig sein kann, aber nicht muss. Grundsätzlich sind natürlich Aufnahmegeräte oder Smartphones für Interviews sinnvoll sowie ausreichend gemeinsamer Speicherplatz (Cloud, Schulserver). Auch braucht man einen Arbeitsraum für gemeinsame Redaktionssitzungen. Zielgruppe Eine Schüler*innenzeitung ist ein journalistisches Medium, welches von den Schüler*innen in Eigenverantwortung gemacht wird. Der Anspruch auf Meinungsfreiheit, Kritik und Recherche bleibt gültig. Die Zeitung erscheint üblicherweise regelmäßig, gedruckt und/oder online. Sie fungiert nicht als ein offizielles Sprachrohr der Schule. Sie steht im Gegensatz zu einem Schulblog, der oft von Lehrkräften betreut wird und weniger nach den Grundsätzen der Pressefreiheit agiert. Auch ein Instagram-Account ist häufiger schneller, zugespitzter und hat nur eine begrenzte Tiefe. Eine Schüler*innenzeitung ist also kein PR-Kanal, sondern ein richtiges Medium, welches primär für die Schüler*innen ist. Erst danach kommen Lehrkräfte, Eltern und eventuell die Öffentlichkeit als weitere Zielgruppen. Entscheidend ist vor allem, dass nicht die Schulleitung, sondern die Redaktion die Zielgruppe festlegt. Dabei können sich die Schüler*innen fragen: „Würde ich das selbst lesen wollen?“ Rechtliche Aspekte Natürlich basiert die Schüler*innenzeitung auf der Presse- und Meinungsfreiheit. Beachtet werden müssen zudem das Urheberrecht (Bilder, Texte, Musik), die Persönlichkeitsreichte (Fotos z. B. nur mit Einwilligung), die Impressumspflicht und schulinterne Richtlinien. Hilfreich für eine gute Schüler*innenzeitung ist auch die Betreuung durch eine Lehrkraft, die bei Konflikten zur Seite steht und bei rechtlichen Fragen. Die inhaltliche Arbeit soll aber von den Schüler*innen kommen. Bei Schüler*innenzeitungen müssen Bildrechte und Namensrechte genauso gewährt werden, wie auch bei anderen Zeitungen (auch wenn das leider nicht alle beachten). Sofern Personen auf Bildern erkennbar sind, ist eine Einwilligung nötig. Auch Veranstaltungen sind kein Freifahrtschein dafür, einfach alle Menschen dort erkenntlich zu fotografieren und zu veröffentlichen. Vor allem bei der Veröffentlichung von Minderjährigen muss auf besondere Sensibilität geachtet werden. Namen von Menschen mit öffentlicher Funktion können veröffentlicht werden, bei privaten Schüler*innen darf das nur mit Zustimmung geschehen. Eine Schüler*innenzeitung muss fair und sachlich korrekt sein und unterschiedliche Perspektiven erkennbar machen. In Deutschland unterliegen auch Schüler*innenzeitungen der Pressefreiheit. Es gibt keine Vorzensur und keinen Genehmigungsvorbehalt. Eingegriffen werden darf nur bei klaren Rechtsverstößen, wie Beleidigung, falschen Tatsachen oder Jugendschutz. Aussagen wie „Das gefällt mir nicht!“ zählen nicht als Grund. In einer Schüler*innenzeitung darf demnach auch die Schulleitung kritisiert werden, aber auf eine sachliche und faktenbasierte Art und Weise. Es darf keine Schmähkritik werden und muss Gelegenheit zur Stellungnahme anbieten. Kritik ist nicht mit Respektlosigkeit gleichzusetzen und vor allem ist Kritik Teil einer demokratischen Kultur. Sollte es mal zu Gesprächen mit der Schulleitung kommen, sollten alle vorbereitet sein und zum Beispiel die Rechtslage kennen. Inhalt und Person sollten getrennt werden, das ruhige Gespräch sollte protokolliert werden und man sollte nicht defensiv, sondern professionell auftreten. Bei der Mitarbeit an Schüler*innenzeitungen lernen Schüler*innen, dass auch diese Zeitungen ein wichtiger Teil von Demokratie sind. Sie lernen dabei Meinungsbildung, Verantwortung, Konfliktfähigkeit, Machtkritik und Selbstorganisation. Schlussendlich ist für die Inhalte und die Zeitung meistens die Chefredaktion oder eventuell der*die Herausgeber*in (Schüler*innenzeitungsverein, AG) verantwortlich. Der Schulträger haftet nicht automatisch. Auch hier müssen klare Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Kosten Auf eine Schüler*innenzeitung können auch Kosten zukommen. Zum Beispiel für Druck, Hosting, die Domain und eventuell auch Programme wie eine Layout-Software. Einnahmen können passieren über Anzeigen, Fördervereine, Spenden oder Wettbewerbe. Bei Anzeigen muss zwischen Beiträgen der Redaktion und Werbung klar unterschieden werden und es darf keine inhaltliche Einflussnahme erfolgen. Sponsor*innen sind erlaubt, wenn es transparent gemacht und klar gekennzeichnet wird. Wenn Geld fehlt, kann die Zeitung auch nur digital erscheinen oder mit weniger Seiten oder es können Kooperationen gemacht werden. Print lohnt sich noch, wenn man besonders sichtbar sein will und einem die Haptik wichtig ist, und es klappt, die Exemplare zu verteilen/zu verkaufen. Es funktioniert nicht, wenn die Zeitung niemand oder nur wenige lesen, wenn Budget fehlt oder die Redaktion überlastet ist. Eine Kombination zwischen Online und Print ist oft ideal. Es gibt auch viele kostenlose Tools, die genutzt werden können. Für Layout z. B. Canva oder Scribus, für Texte z. B. OnlyOffice. Für die Organisation z. B. Trello oder Notion, für die Bilder z. B. Unsplash oder Pixabay. Bei Rechtsfragen oder Hilfestellungen kann sich an die Jugendpresse und die Landesverbände sowie den Schüler*innenzeitungswettbewerb gewandt werden. Schüler*innenzeitungsredaktionen können ein eigenes Konto eröffnen. Je nach Bundesland sind Schüler*innenzeitungskonten unterschiedlich geregelt. Manche Banken bietet kostenlose Jugendkonten an, wo Kontoführungsgebühren entfallen. Eine Schüler*innenzeitung ist super, auch um mehr als nur über Journalismus zu lernen. Die Schüler*innen lernen Teamarbeit, Verantwortung, Kritikfähigkeit, Zeitmanagement, Selbstbewusstsein und den Umgang mit Hierarchien. Es ist quasi politische Bildung in der Praxis.

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